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Sarajevo [BA] - Fortbestand mit gebrauchten Trolleybussen

J. Lehmann - 25.07.11


Der im November 1984 eröffnete Betrieb verkehrte vom ersten Tag an zwischen den heutigen Endpunkten Trg Austrije nahe der Innenstadt nach Dobrinja über Otoka und nach Jezero. Außerdem gab es eine Überlandstrecke nach Vogosca. Die Eröffnung fand neun Monate nach den Olympischen Winterspielen (Februar 1984) statt. Im Jahre 1988 erhielt die Linie 103 eine begradigte Streckenführung, nach Otoka verkehrten nun eigene Linien. Sieben Linien (101-107) gab es zu diesem Zeitpunkt. Bis 1987 stieg der Wagenpark auf 99 Trolleybusse an, davon waren 21 Gelenkwagen, die auf der Linie 103 zum Einsatz kamen, bis zu 16 Einheiten wurden hierfür benötigt. Von den Solowagen kamen bis zu 48 im Einsatz. 1988 konnte auch ein eigenes Depot eingerichtet werden, bis dahin waren die Fahrzeuge im Rohbau eines Straßentunnels untergebracht.

1992 mußte der Betrieb wegen der starken Kampfhandlungen des Bürgerkriegs eingestellt werden. Die Stadt wurde von den umliegenden Bergen stark beschossen, die Belagerung ab dem 5. April 1992 dauerte
1.425 Tage an und über 10.000 Menschen verloren ihr Leben. Nur wenige Trolleybusse blieben nach der Belagerung unzerstört, bis 1996 konnten 22 Skoda 14Tr und 10 Skoda/Sanos-Gelenkwagen wieder hergerichtet werden. Zeitgleich kamen acht Skoda 14 Tr gebraucht aus Marienbad und Pardubice. Bis auf die Überlandlinie wurden alle Linien wieder eingerichtet. Aus Zlin gelangten im Jahr 2000 sechs Gelenkwagen des Fabrikats Skoda/Sanos zum Wagenpark.
1997 erwarb der Betrieb erstmals Trolleybusse aus Solingen, die sieben hier überzähligen dreiachsige 12m-Trolleybusse waren damals nur zehn Jahre alt. 2002 und 2004/05 folgten aus Solingen insgesamt 20 Gelenk- und 24 Solowagen.
Von diesen 51 ehemaligen Solinger Wagen sind im Mai noch 26 Einheiten (13 Solo- und 11 Gelenkwagen) betriebsfähig erhalten. Bis auf vier Solo- und einen Gelenktrolleybus, die 2007-2009 verschrottet wurden, stehen bzw. liegen (drei Ende 2005 übernommene Solowagen 65, 56 und 47 gingen nicht in Betrieb und liegen seitlich) noch alle ausgemusterten Fahrzeuge im Depot.
Im 2010 erhielten die damals betriebsfähigen Trolleybusse neue Kennzeichen, acht ehemalige Solinger mit neuem Kennzeichen sind bis mai 2011 bereits abgestellt.
Anfang 2010 gingen die in zwei Lieferungen nach Sarajewo per Bahn transportierten NAW/Hess-Trolleybusse aus St. Gallen in Dienst. Sie erhielten die Nummern 4145-161 in Anschluß an Solinger Gelenkwagen. Zwei Wagen davon sind zur Zeit schon aus Ersatzteilmangel abgestellt.

Der Wagenpark besteht somit aus 41 einsatzfähigen Trolleybussen. Es kommen auf den sechs Trolleybuslinien (101-104, 107-108) bis zu 30 Einheiten zum Einsatz. Den dichtesten Takt weist die Linie 103 auf, die alle 7 Minuten, zweitweise sogar alle 5 Minuten verkehrt. Vermutlich aus Wagenmangel wurde die Linie 104, die laut Fahrplan alle 17-21 Minuten in der Hauptverkehrszeit fahren sollte, im Mai 2011 nicht bedient.

Beim seit 1895 bestehenden Straßenbahnbetrieb dominieren auch Gebrauchtwagen aus Wien und Amsterdam. Hier stehen aber auch Umbauten aus den sechsachsigen Tatra K2-Gelenkwagen in Dienst, vier davon auch erweitert um ein niederfluriges Mittelteil.

Es ist weiterhin beabsichtigt, die Trolleybuslinie 103 zum Flughafen zu verlängern. Hier fehlen nur etwa 500 m Linienweg durch eine Wohnsiedlung. Auch die Straßenbahnlinie 3 endet etwa 2 km nördlich des Flughafens. Die Bedienung des Flughafens ist jedoch in fester Hand von Taxen, deren Lobby sich bislang erfolgreich gegen eine Anbindung durch den ÖPNV gewehrt hat.

Fotos:
oben: Nur wenige ehemalige Solinger Gelenkwagen erhielten eine neue Lackierung wie hier der ehemalige Wagen 17, nun 4137 am 14.05.2011 in an der Endhaltestelle Dobrinja. Er erhielt 2009 den Nachläufer vom Gelenkwagen 4, der bislang als einziger Solinger Gelenkwagen verschrottet wurde. Die Zielbeschilderung aus Solingen mit einem nie verwendeten Ziel (eine nicht elektrifizierte Wendeschleife der Linien 685/686) ist ebenfalls noch vorhanden.
unten: Auch die St. Gallener Gelenkwagen behielten auch ihre ursprüngliche Lackierung, hier Wagen 4152 (ehemals 157) auf dem Weg von Jezero nach Otoka. Aufnahmen: Daniel Hörle/Jürgen Lehmann, 14.05.11.


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