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Esslingen [DE] - Jubiläum in Esslingen mit Kongress zur Elektromobilität

J. Lehmann - 25.06.12


Zum 100-jährigen Jubiläum des Nahverkehrs in Esslingen fand am 20. und 21.06.2012 eine Tagung zum Thema elektrischer Nahverkehr sowie am 23. und 24.06.2012 zwei Tage der offenen Tür im Depot und auf dem Esslinger Marktplatz statt. Von den 100 Jahren bestand 32 Jahre lang ein Straßenbahnbetrieb und 68 Jahre Obusbetrieb auf der Hauptlinie 1, später 101 zwischen Oberesslingen und Obertürkheim (heute Stadtteil von Stuttgart).

Rund 100 Interessierten besuchten den Kongress, der unter der Schirmherrschaft von Verkehrsminister Winfried Hermann stattfand. Er bot von Vertretern der Hersteller und Verkehrsbetriebe, Forschung, Politik und Verbänden neue Entwicklungen, Wege und Chancen des elektrischen Omnibusverkehrs. So stellte Mickaél Pandion, Werkleiter der Stadtverkehrsbetriebe Esslingen den Kostenvergleich zwischen Batterie-, Hybrid- und Obus vor. Der Obus ist in den Betriebskosten nur 2% teuerer. Der Hybridbus hingegen verursacht Kosten, die 25% höher sind. Für Batteriebusse konnten bislang noch keine genauen Werte genannt werden, da hier noch keine Serienreife vorliegt.
Ohne Personalkosten liegen die Infrastrukturkosten beim Dieselbus bei 0,14 €, in Esslingen wird derzeit ein Wert von 0,46 € einschließlich Wartung der Fahrleitung ermittelt. Bei Optimierung der Personalkosten und der Abschreibungskosten werden diese Kosten bei 0,26 € liegen und somit nur 0,10 € mehr gegenüber dem Dieselbus.
Über die Strategien der Stadt Esslingen und des Landes Baden-Württemberg berichteten weitere Vorträge, so stellte Christian Soffel, Projektingenieur der Verkehrs-Consult Dresden-Berlin, Dresden "Trolley Plus" als einen neuen Weg vor. Im Vergleich zu den früheren Esslinger DUO-Bussen soll ein Fahrzeug des Projekts TrolleyPlus als Hybrid-Obus über einen Hochleistungsenergiespeicher verfügen. Durch die Rückgewinnung von Bremsenergie soll dieser Speicher aufgeladen werden, ebenfalls soll eine Nachladung bei Fahrten unter der Fahrleitung ermöglicht werden. Somit bräuchten Oberleitungen auf neuen Strecken nur partiell montiert werden. Als Modell wird das Betreiben der Linie 113 gemeinsam mit der Linie 118 angeführt, der Stadtteil Berkheim sollte dann von Zollberg ohne Oberleitung mittels Batteriespeicher bedient werden. Auch eine Teilelektrifizierung anderer Linien käme in Frage, so könnten die Trolleybusse auf der Linie 109, die derzeit im 15-Minuten-Verkehr befahren wird, nur eine einspurige Fahrleitung für bergaufwärts erhalten. Auf der flachen Ebene könnte dann mittels Energiespeicher gefahren werden und bergab durch das häufige Bremsen dieser wieder aufgeladen werden.

Auch internationale Erfahrungen aus der Schweiz, Costa Rica und Tschechien wurden vorgetragen. Arno Kerkhof, Senior Manager des Verbands UITP, bilanziert die weltweiten Erfahrungen im Obus-Bereich. Ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Ernst Pucher
Universitätsprofessor am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik
der Technischen Universität Wien, stellte das Projekt "Primove Road" durch Induktionsstrom vor. Ein Feldversuch mit Bussen führte die Firma Bombardier zeitgleich in Mannheim vor, so dass diese nicht vertreten waren. Der allgemeinen Stimmung gegen die Verlegung von Fahrleitung folgte leider der Vortrag "Integration der Infrastruktur ins Stadtbild" von André Eichhorn, Area Sales Manager der Kummler + Matter AG, Zürich. Stattdessen trug Dr. Messerschmidt der DIaLOGIKa GmbH seine Projektstudie über das Eindrahten mittels einen Rechnerprogramm während der Fahrt vor.

Bereits während des Kongresses waren 14 Omnibusse von 12 Herstellern zu besichtigen. Die Gegenüberstellung ermöglicht erstmals einen Systemvergleich: Vorgestellt wurden Hybridbusse von Daimler-Benz/ Evobus, MAN, Irisbus, Volvo und Hess, Obusse von Solaris, Van Hool und Hess sowie reine Batteriebusse von Contrac, Rampini und SOR.

Am Wochenende wurden dann historische Fahrzeuge, bis auf den Esslinger DUO-Bus 327, ausschließlich Dieselbusse auf dem Esslinger Marktplatz ausgestellt, während die jüngeren Fahrzeuge auf dem SVE-Gelände zu besichtigen waren. Leider mussten der HESS-Trolleybus 101 aus Winterthur bereits am Samstag morgen seine Heimfahrt antreten, so dass lediglich Probefahrten mit dem Solaris MetroStyle aus Salzburg durchgeführt wurden, die auch reges Interesse fanden, die fünf angeboten Fahrten waren stets gut besetzt. Der ebenfalls anwesende VanHool EquiCity (zweites Fahrzeug) durfte mangels Abnahme keine Probefahrten mit Fahrgästen vornehmen.
Zwischen den beiden Standorten wurde ein Pendelbusverkehr im 30-Minuten-Takt mit einem neuen Citaro-Dieselbus geboten, leider somit kein Bezug auf das Gesamtmotto der Tagung.
Neben einigen Vereinen wie das Obus-Museum Solingen e.V. informieren die Komponentenhersteller ZF, Voith, Vossloh-Kiepe und Cegelec a.s. sowie GA Energieanlagen über ihr Angebot und den aktuellen Stand der Technik.

Foto:
In der Halle konnte ein direkter Vergleich mit den beiden Tram-ähnlichen Obusse gezogen werden, aber nur der Solaris machte mit zahlreichen Interessierten einen Ausflug auf dem Esslinger Netz, hier bei der Ausfahrt neben dem rund 10 Jahre älteren VanHool 213 und dem Mercedes-Benz-Hybridbus aus Stuttgart. Aufnahmen: Jürgen Lehmann


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