deutsch englisch

City-News Archiv

Aachen [DE] - Elektromobilität für die Kurstadt

K. Budach - 31.12.12


Mit deutlicher Mehrheit stimmten am 19.12.2012 die Ratsmitglieder der CDU, SPD, Grüne und Linke für den Bau einer Stadtbahn in der knapp 250.000 Einwohner-Stadt Aachen, die zudem als Kurort anerkannt ist. Die Entscheidung für das 243 Mio-Projekt der sogenannten Campusbahn zwischen der Uniklinik und Brand wird durch einen Bürgerentscheid Mitte März 2013 noch zu bestätigen sein. Sofern hier eine Mehrheit und mindestens 10% der Bürger für die Campusbahn stimmen, werden weitere Schritte eingeleitet. Ein Baubeginn ist für 2016 geplant, die erste Niederflurstadtbahn soll 2019 rollen.
Der getroffene Beschluss sieht die Realisierung des "Einstiegskonzepts" vor, der die erste Linie vom Stadtteil Brand im Osten Aachens über den nördlichen Ring bis zur RWTH, dann über das neue Unigelände in Melaten zur Uniklinik umfasst.
Die Stadtbahn wird als innovativer Ansatz zur Elektromobilität verstanden. Die Luftverschmutzung übersteigt ständig im Talkessel von Aachen die Grenzwerte, außerdem soll die Stadt durch Lärmverminderung wohnlicher werden. Aber nicht nur die Stadtbahn soll elektrisch verkehren, sondern ist im ersten Bauabschnitt auf dem Adalbertsteinweg zwischen dem Kaiserplatz und dem Ostfriedhof auf rund 1 km Oberleitung für Obusse vorgesehen. Diese dient als "Ladestrecke" für zukünftig zu beschaffende Elektrobusse. So ist die Buslinie 2 Eilendorf-Preuswald, die derzeit im 15-Minuten-Verkehr fährt, als Batteriebuslinie geplant. An den Endhaltestellen dieser Linie sieht die Planung stationäre Aufladestationen vor. Entlang der gesamten Stadtbahnstrecke sollen zudem weitere Aufladestationen für Leih-PKWs und Pedelecs installiert werden, die aus den Unterwerken der Campusbahn gespeist werden.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) kündigte bereits im Oktober 2012 an, dass die Campusbahn im Programm des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) eingeplant wurde. Somit wurde die Förderfähigkeit des Projekts nachgewiesen und die zur Realisierung notwendigen Fördermittel stehen bei Land und Bund bereit. So soll die geplante Trasse der Campusbahn zu 90 Prozent bezuschusst werden.

Ein zweiter Abschnitt ist ebenfalls in Planung, die zweite Linie soll von der Uniklinik bzw. vom Grenzübergang Vaals zum Bahnhof Schanz und weiter zum Bushof. Von dort führt die Strecke über den Hansemannplatz und die Jülicher Straße stadtauswärts nach Haaren bis nach Würselen-Kanisberg führen. Auch im Verlauf dieser Strecke ist auf der Vaalser Straße auch Oberleitung zur Aufladung von Batteriebussen geplant. Aus städtebaulichen Gründen sollen die Campusbahn im Innenstadtbereich die Abschnitte zwischen Republikplatz und Kaiserplatz (etwa 2,3 km) sowie auf etwa 400 m in Brand oberleitungsfrei mittels Batterie fahren.

Derzeit versuchen Busse das Verkehrsangebot zur Uni-Klinik über das Campus-Gelände zu bewältigen. Bis zu 12 Fahrten pro Stunde durch die Buslinien 73, 3B und 33 werden geboten. Auch Doppelgelenkdieselbusse, und zwar acht VanHool AGG 330, kommen zum Einsatz, und zwar auf den Linien 5 und 45, die zwischen Uniklinik und Brand pendeln. Hier verkehrte vor 38 Jahren die letzte Straßenbahn. Der Aachener Stadtrat beschloss vor 40 Jahren fast einstimmig nach einem Gutachten die Einstellung des städtischen Straßenbahnnetzes, bereits ein Jahr später verblieb nur noch eine Straßenbahnlinie (15) von Brand nach Vaals, die dann am 29.09.1974 letztmalig verkehrte. Mit der Einstellung des Straßenbahnbetriebs wurde auch die knapp 20 km lange Obuslinie 51 nach Baesweiler am 3.02.1974 eingestellt.

Fotos:
Geplantes Zielkonzept der Campusbahn mit zwei Stadtbahnlinien (von der Webseite der Campusbahn/Stadt Aachen-ASEAG, www.campusbahn-aachen.de) und den Batteriebuslinien: "Zudem ist angedacht, auf dem Abschnitt zwischen der Haltestelle Kaiserplatz bis zur Haltestelle Ostfriedhof eine zusätzliche Fahrleitung für O-Busse zu installieren" (Zitat aus der Beschlußvorlage des Stadtrats), dies war vor 40 Jahren noch der Fall, als die mit modernen Henschel-Gelenkobussen bediente Obuslinie 51 am Kaiserplatz ihren Endpunkt hatte, der über den Adalbertsteinweg angefahren wurde, hier verkehrte auch noch die Straßenbahn bis Ende 1974 (Aufnahme unten: Michael Russell, 09.03.1973).


mehr Informationen ...



zurück
KontaktImpressumHaftungsausschlusstrolleymotion.com