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trolley:planung - Mehr Elektrobusse in Deutschland, jedoch ohne bewährte Stromabnahme über Oberleitung

J. Lehmann - 19.08.13


In vielen deutschen Städten setzt man weiterhin auf Elektrobusse, die ihre Energie aus Batterien beziehen und nicht aus der über 100 Jahre bewährten Trolleybusfahrleitung. Bislang können aber lediglich Kleinbusse, die auf kurzen Linien verkehren, einen Einsatz mit der derzeitigen Batterietechnik leisten.
So in der Stadt Osnabrück, wo seit August 2011 auf einer kurzen etwa 1,3 Kilometer langen Rundlinie zwischen Neumarkt und den Kliniken an der Marienkirche ein Kleinbus der Firma Breda Menarini, Typ M200 E Zeus in einer Länge von 5,89 m für maximal 24 Fahrgäste zum Einsatz kommt. Die Reichweite der etwa 500 kg schweren Batterie beträgt 120 km. Zum Fahrplanwechsel 2013 am 08.08.2013 wird nun eine neue Kleinbuslinie 94 angeboten, die ab Rosenburg durch den Hasepark zum Hauptbahnhof und weiter über das Marienhospital zum Neumarkt fährt. Die Linie wird von 6 bis 17 Uhr alle 20 Minuten, samstags alle 30 Minuten elektrisch befahren. Hierfür wurde ein zweiter Elektrobus beschafft, und zwar ein Midibus vom Typ Oréos 4X des Herstellers PVI (Power Vehicle Innovation) aus der Nähe von Paris unter dem Markennamen Gépébus. Das in der Türkei und Frankreich gefertigte Fahrzeug fasst bei 9,3 Meter Länge immerhin 45 Fahrgäste bei 25 Sitz- und 19 Stehplätzen sowie einem Rollstuhlplatz. Der Bus soll eine Reichweite von bis zu 140 Kilometer aufweisen, die Lithium-Ionen-Batterien auf dem Dach des Midibusses sind zwei Tonnen schwer.
Mehr Information zu Osnabrück aus der Tagespresse und auf der Seite der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück

Das gebotene Fassungsvermögen und die noch geringe Reichweite können jedoch nicht gegenüber dem Dieselbus im normalen Linienbetrieb von täglich 300 bis 350 Kilometer Reichweite konkurrieren. Bei größeren Fahrzeugen ist eine Aufladung während des Einsatztages erforderlich, um mindestens einen Linienumlauf zu schaffen. Zur Erprobung von einer Aufladevariante will Braunschweig mit Mitteln der EU bzw. aus dem Fond der Elektromobilität die Ringlinie M19 auf Elektrobetrieb umstellen. Hierbei soll die Aufladung induktiv über Betonplatten als Haltestellenboden nach dem System Primove der Firma Bombardier. Die ersten Haltestellen sind bereits errichtet, ein Laborbus vom italienischen Hersteller Rampini erprobt zur zeit die Ladestationen und ermittelt die Daten zum Energiefluß. Damit soll die Zulassung der Braunschweiger Elektrobusse beschleunigt werden, die Zulassungsbehörde erhält so einen Nachweis, dass das System der berührungslosen Ladung der Elektrobusse auch funktioniert. Die Linie M19 Hauptbahnhof - Ost-Ring - West-Ring - Hauptbahnhof verkehrt mit Gelenkbussen im 10 Minuten Takt. Ladestationen sollen neben dem Busdepot Lindenberg an den Haltestellen Rudolfplatz, Hamburger Str. und Hauptbahnhof errichtet werden. Die Firma Solaris stellt für den Vorlaufbetrieb einen Solowagen ab Ende 2013 zur Verfügung, Mitte 2014 sollen zwei Gelenkwagen den rein elektrischen Liniendienst aufnehmen.
Hierzu mehr Information auf der Homepage der Braunschweiger Verkehrs AG.
Ebenfalls in Mannheim besteht eine Teststrecke mit induktiver Aufladung. Hierfür liefert die Firma Hess Anfang 2014 zwei 12m-Elektrobusse, die dann einen elektrischen Betrieb auf der Linie 63 aufnehmen sollen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat eine Förderung des Projekts „PRIMOVE Mannheim" mit 3,3 Millionen Euro erteilt, so berichtet die Stadt Mannheim auf ihrer Homepage.
Ohne Fördermittel beabsichtigt die Stadt Köln und die KVB die Autobuslinie 136 ab 2016 elektrisch zu bedienen. Am 19.04.2013 wurde eine Ausschreibung veröffentlicht, auf die sich acht Firmen bewarben. Derzeit wird die Linie 136, die von 1951 bis 1959 von Obussen bedient wurde, im 10-Minuten-Takt von fünf Kursen bedient. Bei rund 20 Minuten Fahrzeit verbleiben für die Dieselbusse derzeit 3 Minuten Wendezeit am Neumarkt und 7 Minuten an der Endhaltestelle in Hohenlind. Damit die Elektro-Gelenkwagen die 5,5 km lange Strecke bewältigen können, soll eine Aufladung am Neumarkt von 20 Minuten Dauer und vor der Klinik in Hohenlind 8-10 Minuten Strom nachgeladen werden. Die Ausschreibung sieht die Beschaffung von sechs Gelenkwagen für die Linie vor.
Mehr Information zu Köln aus der Lokalpresse sowie die Ausschreibung auf TED EU.

Während in Hamburg nun auch die "Bergziegen" im Stadtteil Blankenese ab Anfang 2014 elektrisch verkehren, geht man bei den Bussen mit großer Kapazität langsam voran. Nach Planungsstop für eine Stadtbahn sind noch keine alternativen Lösungen, den starken Verkehr umweltfreundlich zu bewältigen, in Angriff genommen. Bei den 2012 beschafften Hybrid-Doppelgelenkwagen der Firmen Hess und Vossloh Kiepe freut sich die HHA über einen prozentual zweistellige Kraftstoffersparnis gegenüber den 2005/06 beschafften Doppelgelenkdieselbussen, die auch nur einachsig angetrieben werden, was häufig zu Traktionsschwierigkeiten führt.
Auch Bonn testete Anfang Juli 2013 einen Elektrobus, der aus chinesischer Produktion stammt. Wehmütig erinnerten sich die Teilnehmer der Testfahrt an die 1951 bis 1971 verkehrenden Elektrobusse in der Stadt, die auf zwei Linien ihren Strom aus Oberleitungen bezogen, so der Artikel in der Lokalpresse.

Fotos:
Obuszug der damaligen Linie 36 in Köln-Hohenlind 1958. Aufnahme: D. Waltking
Die Dieselbusse der Linie 136 verkehren knapp 2 km gemeinsam mit den Straßenbahnlinien 1, 7 und 9 zwischen Neumarkt und der Universitätsstraße, hier würde sich eine Trolleybusfahrleitung als Auflademöglichkeit anbieten, um die langen Wendezeiten zum Aufladen zu ersparen. Aufnahme: J. Lehmann


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