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trolley:firmen - Rheinbahn erprobt wieder Batteriebusse

J. Lehmann - 13.10.14


Von 1975 bis 1988 hat die Rheinbahn in einer viel beachteten Langzeiterprobung bis zu 22 Batterieelektrobusse vom Btf. Benrath aus eingesetzt. Unterstützt vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) und der Gesellschaft für Elektrischen Stadtverkehr (GES) wurden damals alltagstaugliche Elektrobusse entwickelt und über die Jahre verschiedene Nachladekonzepte angewandt. Charakteristisch waren dabei die einachsigen Batterieanhänger, die die Busse hinter sich herschleppten.

Seitdem sind über 25 Jahre vergangen und die technische Entwicklung ist nicht stehengeblieben. Weniger unter dem Eindruck der Ölkrise, die in den 1970er Jahren der elektrischen Mobilität einen Vorschub brachte, sondern eher unter Umweltaspekten hat sich in den letzten Jahren zudem wieder ein Augenmerk auf elektrisch angetriebene Linienbusse gerichtet. Die Rheinbahn hat in diesem Kontext im September zwei Batterieelektrobusse „Urbino 12 electric“ von Solaris in Dienst gestellt, um sie im Alltagsbetrieb zu testen. Die elektrische Ausrüstung und der Antrieb stammen vom Düsseldorfer Hersteller Vossloh Kiepe, der als Schienenfahrzeug- und Obusausrüster beste Erfahrungen auf diesem Gebiet vorweisen kann.

Die beiden neuen Batteriebusse 9071 und 9072 greifen das Betriebskonzept der ersten Rheinbahn-Elektrobusse auf: Wiederkehrende Nachladungen während der Pausenzeiten erweitern die Reichweite. Anstelle von 150 Kilometern, die die Busse unter Berücksichtigung aller Nebenverbraucher mit einer Batterieladung absolvieren könnten, ermöglichen die Zwischenladungen einen ganztägigen Linieneinsatz. Nachts erfolgt dann jeweils eine sechsstündige Vollladung der Batterien. Und auch der Linieneinsatz wurde übertragen, denn die beiden neuen Elektrobusse werden wieder vom Btf. Benrath aus auf den Rundlinien 778/779 in Benrath und Garath eingesetzt. Großer Vorteil der Rundlinie ist die gemeinsame Endstelle am Benrather S-Bahnhof, so dass die Nachladeeinrichtungen nicht doppelt errichtet werden müssen.

Die technische Ausstattung der heutigen Batteriebusse hat freilich nur noch wenig mit den Fahrzeugen von vor fast 40 Jahren gemein. Die Lithium-Ionen-Batterien (210 Kilowattstunden, Nennspannung 660 Volt) sind im Fahrzeugheck angeordnet, wo sich bei einem Dieselbus der Motor befindet. Ein eigener Batterieanhänger ist somit nicht mehr notwendig. Der Elektromotor mit einer Leistung von 160 Kilowatt liegt unter einem Podest links vor der Hinterachse (gegenüber der Mitteltür) und die moderne Leistungselektronik wurde in mehreren Containern auf dem Fahrzeugdach untergebracht.

Außen und innen unterscheidet sich der Batteriebus nur in wenigen Punkten von einem Dieselbus. Die Gesamthöhe ist mit 3,25 Metern wegen der Dachaufbauten größer als gewohnt und im Heck entfällt aufgrund der Batterien die durchgehende Rückbank, weshalb die Sitzplatzzahl insgesamt etwas geringer ausfällt. Größte Neuerung ist die fast lautlose Fahrweise: Innen sind praktisch nur Lüftung und Klimaanlage wahrzunehmen, von außen ist nur das Rollgeräusch des Busses zu hören! Motor und Elektronik arbeiten so leise, dass sie nicht auffallen. Zusätzliche Neuheit für die Busfahrer ist eine Bedienung fast ausschließlich über Touchscreens. Nur für die beiden Türen sind noch herkömmlich Drucktaster vorhanden.

Auf dem Btf. Benrath wurden zwei Ladestationen für die Batteriebusse errichtet und am Busbahnhof am Benrather S-Bahnhof eine weitere Ladeeinrichtung für die Zwischenladungen. Das eigentliche Nachladen erfolgt über eine manuell einzusteckende Kabelverbindung.

Der Linienverkehr mit den beiden neuen Fahrzeugen begann am Montag, dem 29. September. Bis zur Fertigstellung der Ladestation am Benrather S-Bahnhof können anfangs noch keine ganztägigen Einsätze absolviert werden.

Eine ausführliche Vorstellung der neuen Rheinbahn-Batteriebusse erscheint in Kürze in der Ausgabe 2/2014 der Vereinszeitung der „Linie D“.


Fotos:
* Die beiden neuen Solaris/Vossloh Kiepe-Batteriebusse 9072 und 9071 der Rheinbahn am 26. September 2014 auf dem Btf. Benrath.
* Türaufnahme des Elektrobusses 9071. Von außen (und innen) wirken die Fahrzeuge weitgehend wie ganz „normale“ Linienbusse. Leider nicht wiedergegeben werden kann im Bild die fast geräuschlose Fahrweise der Busse. Die Aufschrift an der Dachkante weist darauf hin, dass der Wagen 9071 der 10.000ste Solaris-Bus ist.
Weitere Fotos siehe Link "Mehr Information":
* Die Batterien sind im Heck angeordnet, dort wo sich bei einem Dieselbus der Motor befindet. Für den wesentlich kleineren Elektromotor reicht ein Einbauplatz unter einem Podest in der Mitte des Fahrzeugs.
* Innen entfallen wegen der Batterien die letzte Sitzreihe und ein Doppelsitz, weshalb die Batteriebusse nur über 32 Sitzplätze (und zwei Klappsitze) verfügen. Gangbreite und Stehhöhe sind aber unverändert gegenüber einem Dieselbus.
* Bei der Pressevorstellung präsentieren Rheinbahnvorstand Klaus Klar (rechts) und Carsten Meuser vom Kompetenzcenter Fahrzeuge der Rheinbahn die neuen Elektrobusse. Links ist eine der Ladestationen erkennbar, Carsten Meuser hält außerdem die „Strom-Zapfpistole“ in Händen.

Text und Fotos: Volker Eichhorst, mit freundlicher Genehmigung von www.linied.net (Verein „Linie D“)

Vor 30 Jahren trug einer der damaligen Batteriebusse auch die Betriebsnummer 9071, siehe Weitere Fotos siehe Link "Foto (Aufnahme: J. Lehmann)":


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