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Linz [AT] - Auftrag für 20 Doppelgelenkobusse erteilt!

J. Lehmann - 11.11.15


In einer Pressekonferenz am 4.11.2015 informierte die Linz AG über die Vergabe des Auftrags über 20 Oberleitungs-Doppelgelenkbusse. Die im Juni 2014 gestartete Ausschreibung endete mit Ablauf der Angebotsfrist für das „Last and Best Offer (LBO)“ zum 03.07.2015 nach mehreren Verhandlungsrunden. Am 12. August 2015 wurden die Anbieter über die beabsichtige Zuschlagserteilung informiert. Kurz bevor die Einspruchsfrist ablief, ging beim Landesverwaltungsgericht ein Einspruch gegen den Zuschlag ein. Nach einer mündlichen Verhandlung und Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts konnte nun die Auftragserteilung vollzogen werden und das Ergebnis bekannt gegeben werden.
Den Auftrag erhielt die Firma VanHool zum Wert von 20 Mio. €, somit kostet ein Fahrzeug 1 Mio. €. Die Linz Linien erhalten aus dem Energie- und Klimafonds eine Förderung von 1,2 Millionen Euro, weitere Subventionen werden beim Land Oberösterreich beantragt. Die Auftragsvergabe beinhaltet einen gesondert mit der Herstellerfirma VanHool abzuschließenden Wartungs- und Instandhaltungsvertrag über 15 Jahre mit einem detaillierten Full-Service-Konzept. Die Wartungsarbeiten an der Obus-Flotte werden durch die Werkstatt der LINZ AG LINIEN selbst durchgeführt. In Verbindung mit dem Full-Service-Konzept wird eine verbesserte Planbarkeit des Fahrzeugeinsatzes, eine bessere Auslastung der Fahrzeuge erwartet, so dass es zu geringeren und kürzeren Fahrzeugausfällen führt und damit auch die höheren Kapazitäten für die Beförderung der Fahrgästen eingehalten werden kann. Zudem wird auch eine verbesserte Planbarkeit der Material- und Personalkosten für Wartung und Instandhaltung erzielt.
Die Ausstattung der neuen Fahrzeuge lehnt sich an die zuletzt gelieferten Straßenbahnen an: Die Obusse erhalten eine eigene Fahrerkabine, der Innenraum hat breite Gänge und ist mit 53 Sitzplätzen ausgestattet, die wie bei den Straßenbahnen als Ledersitze ausgeführt werden. Der gesamte Fahrgastraum ist klimatisiert. Die Elektroausrüstung der neuen Fahrzeuge liefert die Firma Vossloh-Kiepe zu. Die Fahrzeuge werden von zwei Motoren auf die zweite und dritte Achse angetrieben. Der Hilfsantrieb erfolgt durch Batterien, zehn Kilometer soll hiermit ohne Oberleitungskontakt gefahren werden können. Das Fahrzeug ist somit vollelektrisch.

Folgende Technische Daten wurden angegeben:

Modellbezeichnung EXQUI.CITY 24T
Hersteller: VanHool, Belgien
Länge: 24 Meter
Breite: 2,5 Meter
Höhe (ohne Dachaufbauten): 3,5 Meter
Niederfluranteil: 100 %
Motor: Hersteller Vossloh Kiepe. Zwei asynchrone Zentral-Elektromotoren ohne Zwischengetriebe mit Fremdbelüftung wirkend auf 2. und 3. Achse
Motorleistung: 2 x 160 kW (entspricht 2 x 218 PS)
Elektrischer Ersatzantrieb: Hersteller Vossloh Kiepe, vollelektrischer Ersatzantrieb über Traktionsbatterie max. 20 kWh
mögliche Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Gewicht Fahrzeug leer: 24 Tonnen
Gesamtplätze 180, davon Sitzplätze: 53 und Stehplätze: 127
Bereich für Kinderwagen: 3, Bereich für Rollstühle: 2
Türen: 4 doppelflügelige elektrische Außenschwenk-Schiebetüren mit einer Breite von 1,2 Meter und einer Höhe von 2 Meter

Die ersten beiden Fahrzeuge werden im ersten Halbjahr 2017 erwartet, nach einer Zulassungsphase folgen die anderen 18 Einheiten bis Ende 2019. Zu den bisherigen Planungen haben sich somit die Lieferzeiten durch den Einspruch verzögert. Die Rücknahme der 18 vorhandenen, nun rund 15 Jahre alten Niederflurtrolleybusse erfolgt durch den Auftragnehmer VanHool. Die Erneuerung der Obus-Flotte soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Aufgrund von weiteren Bauarbeiten an der Westbahn musste zum Sommerferienbeginn am 11.Juli 2015 die Oberleitung in beiden Unterführungen Dinghoferstraße und Friedhofstraße/Humboldtstraße demontiert werden. Auf den Linien 41 und 43 kamen seitdem nur Autobusse zum Einsatz, während die auf den Linien 45 und 46 eingesetzten Obusse bei der Ausfahrt und Einfahrt zum Depot die Unterführungen mit ihrem Hilfsmotor und abgezogenen Stromabnehmern passierten. An einigen Wochenenden erfolgte eine Totalsperre der beiden Unterführungen zwecks Abtragungsarbeiten des Bestandstragwerks und der Betonierarbeiten für die neuen Brückenteile, hier befuhr der Gesamtverkehr eine Umleitungsstrecke. In dem übrigen Zeitraum wurde der Verkehr außerhalb der Stoßzeiten in der Regel einspurig durch die Unterführungen geführt. Da für den mehrmonatigen Ersatzverkehr keine Leihbusse zur Überbrückung des Engpasses im Autobussektor zur Verfügung gestellt werden konnten, muss der Einsatz aus dem vorhandenen Autobuswagenpark gedeckt werden.
Die Arbeiten konnten jedoch früher als geplant abgeschlossen werden und am 23. Oktober 2015 wurde die Oberleitung wieder montiert und fortan können auch auf den Obuslinien 41 und 43 wieder Gelenkobusse eingesetzt werden.

Fotos:
oben: Studie der neuen Doppelgelenkobusse ExquiCity24. Pressefoto Linz AG
unten: Gleiche Perspektive der bisherigen Generation, hier Wagen 219 am 24.3.2009. Aufnahme: Jürgen Lehmann


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