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trolley:planung - Aktueller Stand der Elektrobus-Systeme in Deutschland

J. Lehmann - 16.01.17


In zahlreichen deutschen Städten wurden in den letzten Jahren Elektrobusse beschafft und in Betrieb genommen. Nachfolgend eine Übersicht über den Stand der Elektrobusse in Deutschland, eine Auflistung mit einigen aktuellen Links auf Presseartikel ist unter
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zu finden. Da die Fördermittel in der Regel vom Land erteilt werden, erfolgt hier eine Sortierung nach Bundesländern von Nord nach Süd.

Mit dem Vorsatz, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse zu beschaffen, kann die Stadt Hamburg den größten Fortschritt im Bereich der Einführung von Batteriebussen vorweisen. Die Innovationslinie 109 der HHA in Hamburg wird seit Dezember 2014 mit elektrischen bzw. teilelektrischen Fahrzeugen befahren. Neben verschiedenen Hybridbussen kommen Volvo-Hybridbusse mit Plug-in Aufladung zum Einsatz, von denen Ende 2014 drei Einheiten geliefert wurden. Zum gleichen Zeitpunkt lieferte die Firma Solaris zwei 18,75 Meter lange Solaris Elektrobusse, die Batterien mit einer Kapazität von 120 kWh werden zusätzlich von Wasserstoffzellen mit einer Leistung von 101 kWh als Range Extender geladen. Seit dem 16.08.16 kommen auch die ersten drei dreitürigen 12m-Elektrobusse der Firma Solaris zum Einsatz, die mit radnahen Elektromotoren mit einer Leistung von 2 x 120 kW ausgestattet sind. Alle Fahrzeuge können an den Ladestationen des Systems Siemens aufladen.

Die stark befahrene Hamburger Linie M3 erhält nun auch erste elektrische Fahrzeuge. Die VHH bestellte zwei VanHool EquiCity, von denen der erste im August 2016 ausgeliefert wurde. Die Lithium-Ionen-Batterie mit einer Speicherleistung von 215 kWh ermöglicht eine Reichweite von 120 km. Sie treibt zwei elektrische, wassergekühlte Zentralmotoren mit einer Leistung von 160 kW aus der ELFA-2-Baureihe von Siemens an.
Zudem besteht noch eine Kleinbuslinie 48 in Blankenese, die seit 2015 von einem Elektrobus der italienischen Firma Rampini bedient wird. Das 8 m lange Fahrzeug ist mit einem Batterie-Block von 122 kWh, bestehend aus fünf Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet.

Mit sechs Gelenkbussen der Firma VDL wurde am 8.12.16 der Linienverkehr auf der Linie 133 vom Hbf. Köln nach Zollstock Südfriedhof aufgenommen. Die 18 m Gelenkbusse sind mit einem Batteriepack mit einer Kapazität von 122,6 kWh ausgestattet, das Gewicht der Lithium-Ionen-Batterie wird mit 1380 kg angegeben. Das KVB-Schwesterunternehmen Rhein-Energie errichtete zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Heliox bv an den Endhaltestellen insgesamt drei Lademasten zur Zwischenladung mittels Schunk- Stromabnehmer, hier können die Elektrobusse bei einer Ladeleistung von bis zu 240 Kilowatt (kW) aufgeladen werden. Zusätzlich befinden sich auf dem Betriebshof Nord der KVB acht Ladestationen, an denen über Nacht die vollständige Wiederaufladung der Batterien mit einer Ladeleistung von bis zu 50 kW erfolgen kann.

Die Wagen wurden bereits Ende 2015 nach Köln ausgeliefert und nach einjähriger Probezeit fand nun Anfang Dezember 2016 die Aufnahme des Linienverkehrs statt. Die europaweite Ausschreibung Mitte 2013 sah neben der Lieferung der acht Fahrzeuge auch das Aufladesystem als Komplettpaket vor.

Auf die gleiche Weise wurde in Bonn der Auftrag zur Lieferung von sechs 12m-Elektrobussen vergeben. Die Firma Bozankya lieferte ihren Typ Sileo aus, die im Rahmen des Projektes ZeEus seit dem 28. April 2016 im Liniendienst auf allen Linien der SWB zu finden sind. Dieses ist möglich, da eine Aufladung nur nachts an Ladestationen auf dem Betriebshof Friesdorf erfolgt. Die Elektrobusse sind mit 230-kWh-Lithium-Eisenphosphatbatterien auf dem Dach ausgestattet, mit denen eine Reichweite von mehr als 200 Kilometer erzielt werden soll.

In Aachen hat die Firma Bozankya den Auftrag zu Lieferung von 14 Elektrobussen erhalten, darunter auch einen 24m langen Doppelgelenkbus. Der erste Gelenkwagen wurde im Januar 2017 in Betrieb genommen. Bereits zuvor erfolgte mit Fördermittel der Umbau eines Hybridbusses in einen reinen Elektrobus, um Erfahrungen mit der Elektrobustechnik zu erhalten.

Die Stadt Oberhausen hat auch Paketlösung ausgeschrieben und die Firma Solaris lieferte neben den Bussen auch die Aufladetechnik. Die Ladung der Busse erfolgt in Oberhausen über Schunk-Pantographen auf dem Dach. Gespeichert wird die Energie in einer aus fünf Modulen bestehenden Traktionsbatterie des Herstellers IMPACT mit einer Gesamtkapazität von 200 kWh. Als Umformer dient ein MEDCOM Traktionswechselrichter mit 600 V Gleichstrom. Für den Antrieb sorgen zwei Asynchronmotoren mit jeweils 110 kW, die an einer AVE-Hinterachse von ZF installiert sind. Die rund 18 to schweren Busse verkehren auf den zwei Linien 962 und 966, die stündlich ab Sterkrade starten und je einen 45 Minuten Umlauf fahren. In Sterkrade bleibt genug Zeit für die Aufladung, zwei Ladestationen wurden am Bahnhof Sterkrade und an der Haltestelle Neumarkt eingerichtet. Den Beschluss zum Ausbau traf die STEAG nun Mitte 2016: Für die drei neuen Busse ist ein Förderantrag beim Bund gestellt, diese sollen auf der Linie 979 zwischen Sterkrade und Bottrop-Mitte zum Einsatz kommen. Es wird nun auf die Zuteilung von Finanzmittel gehofft, die ersten beiden 480.000 Euro teuren Elektrobusse übernahm das Land NRW rund 90% Mehrkosten gegenüber einem Standarddieselbus. „Der Betrieb von Elektrobussen lässt sich noch nicht wirtschaftlich darstellen, wir benötigen dafür die Förderung des Bundes und des Landes“, so äußerte sich Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp gegenüber der Presse.

Ebenfalls zwei Batteriebusse der Firma Solaris erhielt die Rheinbahn in Düsseldorf, jedoch erfolgt deren Aufladung mittels Plug-In-Ladeverfahren im Betriebshof Benrath. Für eine komplette Ladung der Lithium-Ionen-Batterien mit 210 kWh bei 660 Volt Nennspannung muss der Wagen vier bis sechs Stunden an der Steckdose bleiben, danach kann der Wagen rund 150 Kilometer ohne weitere Nachladung zurücklegen. Daher konnten bislang die Fahrzeuge meistens nur im Depot gesichtet werden.

In Hannover wurden am 05.04.2016 die drei bei der Firma Solaris bestellten Elektrobusse im Rahmen eines Bürgerfestes auf dem August-Holweg-Platz im Beisein zahlreicher Politiker, unter anderem die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Betrieb genommen. Sie sind mit Batterien mit einer Kapazität von 125 kWh, aufgeteilt in 5 LTO (Lithium-Titanat)-Batteriepacks von je 25 kWh bei 640 V mit einem Gewicht von 560 kg ausgestattet. Auf die Batterien wird eine Garantie für 6 Jahre bzw. 585 MWh gewährt. Zwei Lademasten, die von der Firma Masche Metallbau aus Langenhagen hergestellt wurden, stehen auf dem August-Holweg-Platz, dem Start- und Zielpunkt der Linien 100 und 200. Ein weiterer wurde bereits im November 2015 auf dem Betriebshof Vahrenwald errichtet, dort werden die Busse dann zusätzlich nachts aufgeladen.

In Braunschweig kommen im Rahmen des Projekts „emil“ vier Elektro-Gelenkbusse seit Ende 2014 auf der Ringlinie 419 zum Einsatz. Diese werden per induktiver Schnellladung mit 200 kW in ihrer 15-minütigen Pausenzeit an eine der drei Ladestation in der Nähe des Bahnhofs berührungsfrei geladen. Die Fahrzeuge sind mit einer PRIMOVE Batterie 90, Typ Lithium-Ionen mit 90 kWh Leistung bei 660 Volt Spannung ausgestattet. Die Firma Vossloh Kiepe lieferte die elektrische Ausrüstung, bestehend aus einer modular aufgebauten Leistungselektronik, einem 240kW Traktionsmotor sowie dem Energiemanagement. Neben dem induktiven Ladesystem der Firma Bombardier erhielten die Fahrzeuge außerdem eine weitere Ladevorrichtung für eine Stecker-basierte Ladung mit 32kW. Das Forschungsprojekt konnte zum 31. Oktober 2016 erfolgreich abgeschlossen werden, nun hofft die Verkehrs-AG in 2017 zwei weitere E-Gelenkbusse zu beschaffen, um die Linie 419 mit insgesamt sechs E-Bussen dann komplett elektrisch zu befahren.

Auch in Berlin und Mannheim wird zur Aufladung das Aufladeystem Primove von Bombardier genutzt:
In Berlin kommen vier Elektrobusse der Firma Solaris, Kiepe und Bombardier mit den gleichen Daten wie die Braunschweiger Fahrzeuge zum Einsatz, sie wurden am 1. Juli 2015 bei der BVG der Öffentlichkeit vorgestellt und befinden sich seitdem im Einsatz auf der Linie 204.
In Mannheim wird die Linie 63 mit zwei Hess-Elektrobussen bedient. Sie startet am Bahnhof, dort kann der Bus in der Buswendeschleife während der kurzen Wendepausen die Station zur Aufladung nutzen.

Die fünf von der Firma VDL nach Münster gelieferten 12m-Elektrobusse, die bereits im April 2015 vorgestellt wurden, befinden sich nun nach mehreren Umbauten und Anpassungen in einem stabileren Betrieb. Die vier Elektrobusse 1561 bis 1564 waren erstmals komplett Mitte Dezember 2016 auf der Linie 14 gesichtet worden, der fünfte Wagen 1560 ohne Schunk-Stromabnehmer kam auf der Linie 17/E6 in der Hauptverkehrszeit morgens und mittags zum Einsatz.

Für eine Referenzlinie in Osnabrück läuft die Ausschreibung, es sind nun Aufladungen an den Endhaltestellen vorgesehen. Die Ausschreibung wurde Anfang Dezember 2016 veröffentlicht, sie beinhaltet ein Elektro-Bus-System, bestehend aus 13 Batteriegelenkbussen mit konduktiver Gelegenheitsladung und Schnell-Ladestationen zur Nachladung von Batteriegelenkbussen.

Ferner liegen Bestellungen für einzelne Elektrobusse vor, so für die Stadtwerke Trier, die insgesamt 1,7 Millionen Euro für drei neue Elektrobusse investieren. Gemäß einem Zuwendungsbescheid von Februar 2016 fördert das Bundesverkehrsministerium das Projekt „Elektromobiler ÖPNV im ländlichen Raum bei topographisch anspruchsvollen Linienverläufen“ in den Jahren 2016/17 mit 40% der zuwendungsfähigen Ausgaben, dies entspricht rund 407.000 Euro. Weitere Fördermittel gibt es für die Untersuchungen in elektrischen Aufladesystemen. Alle neu eingeführten Elektrobussystem laden im Stand auf, die Vorteile des IMC (In Motion Carging) wurde bislang nur in den vorhandenen Obusbetrieben genutzt.
So werden im Bundesland Hessen zwar zahlreiche Untersuchungen zur Einführung von Elektrobussen durchgeführt, jedoch mangels Fördermittel konnten die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach noch kein Projekt realisieren. Hier wird gewartet, ob die führenden deutschen Hersteller Elektrobusse anbieten, die annähernd preisgleich zu den Dieselbussen sind. Aber Daimler Benz kündigte erst für 2018 einen serienmäßigen Elektrobus an, die Firma MAN sogar erst für 2019. Daher nehmen Hersteller wie Solaris und VDL eine Vorreiterrolle ein: Die Firma Solaris hat schon frühzeitig auf Elektrobusse gesetzt, schließlich ist die Firma mit über 1000 Einheiten Marktführer im Trolleybusbereich. Die Firma VDL hingegen nutzt ihre Vorteile mit dem Konzept der Leichtbauweise, damit das weiterhin schwere Gewicht der Batterien etwas ausgeglichen wird. Weitere Anbieter sind Firmen mit chinesischen Hintergrund wie BYD
oder eurobus, vermutlich sorgen hier Batterien aus chinesischer Produktion für einen günstigen Verkaufswert.
Auch bei den Aufladesystemen gibt es mehrere Anbieter und damit zahlreiche Lösungsmöglichkeiten. Alle haben jedoch eins gemeinsam, es wird Platz benötigt, um die Fahrzeuge aufzuladen und ein Aufladeplatz kann nur zeitgleich von einem Fahrzeug genutzt werden.


Foto:
oben: Seit Dezember 2016 befinden sich in Köln nach mehrmonatiger Probezeit die acht VDL-Elektrogelenkbusse im Linieneinsatz auf der Linie 133, die in den Hauptverkehrszeiten von acht Kursen im 10-Minuten-Verkehr bedient wird, tagsüber jedoch nur einen 20 Minuten-Takt aufweist, hier Wagen 6003 beim Ladevorgangs in der Nähe des Hbf.Köln.
unten: Viel Platz ist noch auf dem Bahnhofsvorplatz von Braunschweig, sofern weitere Linien umgestellt werden. Bislang gibt es drei Aufladestationen mit induktiver Energieübertragung über die Bodenfläche nach dem System Primove, von denen zwei derzeit ständig genutzt werden, hier laden die Gelenkwagen 1412 und 1413 Energie für eine weitere Runde auf der Linie 419, der dritte Ladeplatz befindet sich vor Wagen 1412, erkennbar an der Betonbodenplatte. Aufnahmen: J. Lehmann


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