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Fribourg [CH] - Ausbau oder Stagnation des elektrischen Betriebs?

J. Lehmann - 27.02.17


Der Testeinsatz eines Hybridbusses im Oktober 2016 veranlasste den Mobilitätsdirektor Pierre-Olivier Nobs (CSP) gegenüber dem Gemeinderat ein Bekenntnis zum Trolleybus auszusprechen. Vom 6. bis zum 27. Oktober 2016 verkehrte der Volvo- Hybrid-Gelenkbus der AAR Bus + Bahn (Nr.177) mit der TPF-Nr.650 vorwiegend auf der Linie 1. Gemäß Angaben der TPF benutzten dabei die Busse auf fünf Prozent der gefahrenen Kilometer ausschliesslich die elektrische Batterie. Insgesamt verbraucht der Hybridbus ein Drittel weniger Energie als die 2004 beschafften DUO-Busse und 22% weniger als einer der zuletzt beschafften Euro6- Dieselgelenkbusse.

Neun DUO-Busse des Fabrikats MAN/Hess/Vossloh-Kiepe stehen für den Einsatz der Linie 1 zur Verfügung, sie kommen aber auch auf den bis zu 12 Trolleybuskursen der Linien 2 und 3 zum Einsatz. Da der Verkehr auf der Linie 1 in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, wird nun tagsüber im 10-Minuten-Verkehr und in Spitzenzeiten alle 7½ Minuten gefahren. Bis zu neun Kurse kommen nun auf der Linie 1 zum Einsatz. Die Linie 1 fährt knapp 3 km unter Fahrleitung im Stadtzentrum, etwa 1,8 km nach Norden zum Porte de Fribourg und rund 3,7 km nach Süden in die Nachbargemeinde Marly wird ohne Fahrleitung im Dieselantrieb gefahren. Somit macht der elektrischer Anteil rund 34% aus. Aufgrund des geringen Einsatzes von Trolleybussen ist der Anteil des elektrischen Betriebs noch geringer.
Weitere Entscheidungen werden jedoch auf politischer Ebene geführt, hierzu wird Félicien Frossard, Generalsekretär der Agglo (Verkehrsverbund des Kantons Freiburg) wie folgt zitiert: "Wir werden sehr wahrscheinlich ein spezialisiertes Büro mandatieren, das uns aufzeigen soll, welche Fahrzeuge ökologischer und welche auf lange Sicht wirtschaftlicher sind." (2)

In diesem Zuge werden sicher auch Gedanken zur Umstellung auf Batterie-/Trolleybus durchgeführt. Dabei kommen auch weitere Linien in Betracht, denn die Autobuslinie 6 fährt rund 3,7 km mit der Linie 2 unter der Fahrleitung zusammen und überbrückt nur kurze Abschnitte in 600 bis 1200 m Länge zu den fahrleitungslos bedienten Endhaltestellen. Sie verkehrt jedoch nur im 15-Min-Takt, aber ihr Anteil unter Fahrleitung beträgt rund 65%. Die auch ganztägig im 7½-Minuten-Verkehr mit Gelenkbussen bediente Linie 5 fährt durch das Stadtgebiet auf 1,5 km unter Fahrleitung, die Endhaltestelle im Norden wird nach 1,1 km ohne Fahrleitung erreicht, jedoch die südliche Endhaltestelle in Villars-sur-Glâne wird erst nach rund 4,5 km ohne Fahrleitung erreicht. Entsprechend liegt hier der Anteil unter Fahrleitung mit rund 21% unter dem der Linie 1.

Ende November bis Mitte Dezember 2016 verkehrten wochentags auf der Linie 2 vermehrt DUO-Busse. Grund dafür war die vollständige Erneuerung der Fahrleitungen zwischen Zähringerbrücke und Stadtberg. Für diese Arbeiten wurde jeweils ab 22 Uhr der Fahrstrom abgeschaltet. Weitere Abschnitte sollen ebenfalls erneuert werden. Das Südportal der Kathedrale musste über Jahrzehnte mit einem Holzverschlag versteckt werden, da die durch den Verkehr erzeugte Luftverschmutzung den aus Sandstein angefertigten Skulpturen massiv zusetzten. Nachdem durch den Bau der Poya-Brücke der Privatverkehr praktisch verschwunden ist, konnte das Kunstwerk renoviert und wieder sichtbar gemacht werden. Die dafür organisierte Einweihung am 2. Dezember 2016 erforderte die Sperrung der Rue du Pont-Suspendu und dadurch die Umleitung aller stadtauswärts fahrenden Buslinien durch die Rue des Chanoines, welche somit in einen Zweirichtungsverkehr versetzt wurde. Für die Trolleybusse der Linie 2 wurde am Anfang der Zähringerbrücke ein Eindrahttrichter installiert, damit der Schönberg im elektrischen Betrieb erklommen werden konnte. Pikanterweise ist genau diese Betriebsabwicklung seit längerem Bestandteil mehrerer teils hitziger Diskussionen: Im Rahmen der Aufwertung des Burgquartiers soll der gesamte Busverkehr auf die Rue des Chanoines konzentriert werden, um auf einer Seite der Kathedrale eine Fußgängerzone einrichten zu können. Die engen Platzverhältnisse in der Rue des Chanoines machen aber die Begegnung zweier Busse teilweise schwierig, womit Befürchtungen bezüglich der Fahrgeschwindigkeit und somit der Einhaltung des Fahrplanes bestehen. Zudem fordern gewisse Kreise, die sich bis in Behörden der Stadt Freiburg hineinziehen, dass die Trolleybus-Fahrleitungen im Rahmen dieser Umgestaltung entfernt werden, da sie das Bild der Kathedrale stören würden (aus der Zeitschrift TRAM 129 entnommen [2])

Für ein neues Depot, welches die an mehreren im gesamten Kanton verteilten Standorten vorhandenen Werkstätten vereinen soll, fand am 30. Juni 2016 die Grundsteinlegung TPF-Zentrum statt. Die Bauarbeiten des Großprojekts starteten bereits im Frühjahr 2016. Das neue Industriezentrum für den Betrieb und die Wartung der gesamten Strassen- und Eisenbahnverkehrsflotte soll bis 2019 im Ort Givisiez, rund 1,5 km von der Endhaltestelle Mont Carmel der Linie 3 entfernt auf einer überbauten Fläche von insgesamt 43.000 m2 entstehen. Es wird derzeit von einer Bausumme von 120 Mill. Franken ausgegangen.

Für Informationen danken wir den Freiburger Nachrichten[1], der Zeitschrift TRAM [2] und der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Freiburgischen Verkehrsbetrieben Holding (TPF) AG.

Fotos:
Oben: Der SwissTrolley 522 passiert die Rue des Bouchers im Burgquartier, im Hintergrund die Kathedrale St.Nikolaus.
Unten: Der DUO-Bus 516 musste am 27.08.2015 auf der Linie 2 aushelfen, hier ist er auf der Zähringerbrücke Richtung Schoenberg unterwegs. Aufnahmen: J. Lehmann


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