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Solingen [DE] - Mit dem Batterie-Oberleitungs-Bus und der intelligenten Ladeinfrastruktur zum emissionsfreien ÖPNV

J. Lehmann - 28.04.17


Den Projektpartnern des Solinger Projekts "Mit dem Batterie-Oberleitungs-Bus (BOB) und der intelligenten Ladeinfrastruktur zum emissionsfreien ÖPNV" konnte am 24.3.2017 beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Förderbescheide in gesamter Höhe von 15,3 Mill. Euro überreicht werden.

Der Solinger Presse wurde das Projekt am 28.4.2017 auf dem Rathausplatz im Rahmen eines Mediengesprächs vorgestellt. Dem Projekt angemessen fand der Pressetermin in einem Solinger "Stangentaxi" statt, hierfür wurde der Hess SwissTrolley 960 mit Eigenwerbung für ÖKO-Strom vor dem Rathaus aufgestellt. Neben dem Bus wurde auch ein Elektroauto der SWS vorgestellt.

Nach der Eröffnungsrede des Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) stellten die sieben Projektteilnehmer kurz ihren Projektteil vor und zwar vertreten durch Conrad Troullier für die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Solingen, Jochen Stiebel für die Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz (Neue Effizienz), Hans-Jürgen Haas für SWS Netze, Prof. Dr. Michael Scheffel und Prof. Dr.Ing. Benedikt Schmülling für die Bergische Universität Wuppertal, Stephan Klein für NetSystem GmbH und Volker Bruns Voltabox Deutschland GmbH. Nach den kurzen Vorstellungen leitete Oberbürgermeister Tim Kurzbach über auf die Präsentation im Bus. Dort stellten die Projektleiter Holger Benzid (SWS Verkehr) und Stan Mour (SWS-Netze) das Projekt vor: Kern des Projekts ist das Prinzip des Aufladen unter Oberleitung und Fahrten mit der Batterie, dazu wurde der Animationsfilm der Firma Vossloh Kiepe gezeigt, der das „In Motion Charging“ verdeutlichen soll. Anhand des Netzplans zeigten sie anschließend das Tages-Liniennetz Solingen mit knapp 150 km, davon machen knapp 65 km die sechs Obuslinien aus, die bereits seit Jahrzehnten elektrisch befahren werden. Obwohl dieses Verhältnis deutlich unter 50% liegt, wird gemessen an der Fahrleistung derzeit 64% elektrisch bedient, die Nutzung der elektrischen Verkehrsmittel weist sogar einen Anteil von 74% aus. Als erster Schritt zu 100% elektrischen Betrieb sollen nun knapp 9 km der Linie 695 im Batteriebetrieb bedient werden. Dieser Betrieb soll in dem auf 5 Jahre geplanten Projekt erforscht werden und die Möglichkeiten untersucht werden, wirtschaftlich und effizient ohne Vergrößerung der vorhandenen Kapazitäten des Oberleitungsnetzes das gesamte Liniennetz elektrisch zu befahren.
Dabei ist folgendes zur Umsetzung im Projekt geplant:
1. Vollelektrifizierung der Obusse der kommenden Generation durch Einbau von Batterien anstelle des Dieselaggregats und der Einsatz der bereits bestellten vier Vorläuferfahrzeuge auf der bisherigen Dieselbuslinie 695
2. Bidirektionale Kopplung des Oberleitungsnetzes mit dem Versorgungsnetz durch Einsatz an mindestens drei Unterwerken, damit soll auch eine Rückspeisung von Bremsenergie in das Stromnetz der Stadtwerke möglich sein.
3. Implementierung einer sektorenübergreifenden Netzüberwachung zur Verknüpfung zwischen zwei Mittelspannungs- und drei Niederspannungs-Bereiche mit dem Oberleitungsnetz
4. Eins der bidirektional ausgestattetem Unterwerke soll einen stationären Batteriespeicher erhalten, der auch für die verbrauchten Batteriesätze der Busse genutzt wird, wenn sie eine Leistungsgrenze von rund 80% erreicht haben.
5. Errichtung und Anbindung einer weiteren Photovoltaikanlage an das Oberleitungsnetz auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe; später sind auch Anbindungen fremder Anlagen vorgesehen
6. Errichtung von Ladeinfrastruktur für den Individualverkehr, hier ist im ersten Schritt die Anbindung von 15 Ladesäulen an das Oberleitungsnetz geplant.

Die für die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Solingen erteilten Mittel sind nicht für die bereits bestellten Batterie-Oberleitungs-Busse (BOB), sondern für einen erhöhten Personaleinsatz, Einbau von Fahrassistenten und der Technik zur Übermittlung von Daten. Der Geschäftsführer der SWS Verkehr Conrad Troullier ergänzte den Vortrag, dass das Projekt noch keine Realisierung der Vision des 100% emissionsfreien Verkehrs darstellt, sondern es soll die Machbarkeit dieses Ziels untersucht werden. Das Projekt bringt eine Erhöhung des derzeitigen Anteils an E-Mobilität in der Verkehrsleistung von 64% auf 70%. Das Projekt dient auch als Voruntersuchung für weitere Erneuerung des Wagenparks, der ab 2021 fällig ist. Der Liefervertrag mit den Firmen Vossloh Kiepe und Solaris sieht neben den vier Fahrzeugen eine Option von 16 Gelenkobussen vor, die bis 2020 gezogen werden kann, die entsprechende Investitionssumme ist im Wirtschaftsplan der SWS für die kommenden Jahre enthalten. Mit der danach erforderlichen Erneuerung der Dieselbusflotte soll dann bei Erfolg des Projekts bis 2030 auf einen rein elektrischen Betrieb umgestellt werden.

Die vier bestellten BOB sollen ein flüssigkeitsgekühltes Batteriepack mit einer Leistung von 52 KWh erhalten. Zur Kompensation des rund 1 to Mehrgewicht ist eine Steigerung der Energieeffizienz erforderlich, dieses soll durch die Fortschritte in der Antriebstechnologie erreicht werden.
Bei der Karosserie müssen jedoch Einschnitte gemacht werden, die Karosserie der Fa. Solaris entspricht der Bauweise Trollino III . Aufgrund des Raums für die Batterien, die unterflur wie in Esslingen angeordnet sind, führen Stufen in den Heckbereich. Für die Serie von 16 Fahrzeugen erhofft sich Conrad Troullier jedoch ein Fortschritt in der Batterietechnik, so dass die Wagen komplett niederflurig sind und mit der gewünschten vierten Tür im Heckbereich ausgestattet werden können.
Die neuen O-Busse seien rund 150 000 Euro teurer als herkömmliche O-Busse, antwortete Conrad Troullier auf die Anfrage nach dem Preis der neuen Obusse. In der Pressemitteilung der Stadt wird der Preis pro BOB mit 850.000 € beziffert.

Das erste der vier Fahrzeuge wird im Dezember 2017 erwartet, die drei weiteren folgen im Frühjahr 2018. Drei Fahrzeuge werden für den ganztätigen Einsatz im 30-Minuten-Verkehr auf der Linie 695 benötigt (die Verkehrspitze am Morgen auf 15-Minuten-Takt mit zwei weiteren Fahrzeugen wird weiterhin von Dieselbussen bedient), ein Fahrzeug steht dann als Reservewagen und zu Forschungsfahrten zur Verfügung. Nach Anlieferung und Zulassung der Fahrzeuge erfolgen zuerst ausgiebige Probefahrten im Netz. Während diesen Zeitraums wird die Stadt die erforderlichen Umbauten im Zuge des Linienwegs durchgeführt. Neben einigen Haltestellen, die für den Einsatz von Gelenkwagen verlängert werden müssen, ist auch ein Umbau der Wendeschleife in Gräfrath am Ende des Abteiwegs erforderlich. Er muss auch für den Einsatz von Gelenkwagen angepasst werden, zusätzlich erfolgt hierbei die Einrichtung einer Ladestation.
Vor dem Einsatz der neuen BOB ist eine Fahrplan- und Dienstplanänderung der Linie 695 erforderlich, so kann die Linie 695 nicht an bisherigen Abfahrtsort am Autobussteig Graf-Wilhelm-Platz halten, da hier keine Oberleitung vorhanden ist. Der Tausch mit der Abfahrstelle der Linie CE64 nach Wuppertal ist hier in Richtung Rathausplatz geplant. Zudem muss die an Sonntagen praktizierte Verknüpfung mit anderen Linien aufgegeben werden, auch hier ist eine Änderung des Fahrplans erforderlich.

Somit ist die Umstellung der Linie 695 nach den Sommerferien 2018 geplant. Eventuell wird dies mit einer Feier zum Jubiläum 66 Jahre Trolleybus verknüpft, denn zum diesjährigen 65-jährigen Geburtstag des Betriebs veranstaltet das Obus-Museum Solingen e.V. am Sonntag, 25.6.17 ein Sommerfest, mehr unter: http://www.obus-museum-solingen.de/

Die Projektpartner in der Übersicht (mit Link auf die entsprechende Pressemitteilung):
1. Stadtwerke Solingen GmbH – Verkehrsbetrieb
http://www.sobus.net/bundesregierung-foerdert-solinger-bob/
http://www.sobus.net/klingenstadt-wird-vorreiter-fuer-oekologische-mobilitaet/

2. SWS Netze Solingen GmbH

3. Stadt Solingen:
https://www.solingen.de/de/aktuelles/batteriebus-bob-macht-diesel-ueberfluessig/

4. Bergische Universität Wuppertal:
http://www.presse.uni-wuppertal.de/medieninformationen/ansicht/detail/28/april/2017/artikel/batteriebus-bob-macht-diesel-ueberfluessigforscher-der-bergischen-universitaet-an-solin.html

5. Voltabox AG in 33129 Delbrück
http://www.voltabox.de/branchenloesungen/oeffentlicher-personen-nahverkehr/

6. NetSystem

7. Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz (Neue Effizienz)
http://www.neue-effizienz.de/aktuelles/beitraege/?id=8bda21b61b138e43ef04aef9cf28b100


Fotos:
Auf dem Rathausplatz präsentierte die Stadt Solingen und ihre Projektpartner das vom BMVI geförderte Projekt im SwissTrolley 960, der nach der Präsentation wieder mit Hilfsmotor in das Depot fährt, auf dem Foto unten in die Konrad-Adenauer-Straße einbiegt, die derzeit noch von der Baustelle rund um den Rückbau der letzten Fußgängerunterführung geprägt ist. Die im Hintergrund sichtbare Haltestelle Rathausplatz wird seit dem 22.3.2017 wieder angefahren, an der Stelle der provisorischen Haltestelle, die sich ca. 100m weiter links befand, werden wieder Parkbuchten mit Baumscheiben angelegt. Aufnahmen: Jürgen Lehmann


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