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Pyongyang [KP] - Trolleybusse aus vier Jahrzehnten

J. Lehmann - 16.02.09


Es ist nicht einfach, Informationen über den ÖPNV in Nordkorea zu erhalten. Ein Besucher des Landes wird in Reisegruppen oder als Einzelreisender stets von einem geschulten Bewachter (Reiseguide) begleitet, der während des gesamten Aufenthalts zur Seite steht. Dabei ist die Nutzung des ÖPNV für Ausländer tabu. Der Verkehr in dieser 3 Mio-Metropole wird von Straßenbahnen, Trolleybussen und Bussen geprägt, ein Individualverkehr ist kaum anzutreffen.
laut Beobachtungen umfaßt der am 30.04.1962 eröffnete Obusbetrieb drei städtische Linien:
• Pjöngjang West-Pjöngjang Station
• Hwanggumbol-Arch of Triumph
• Munsu-Pjöngjang Department Store No. 2
Außerdem wird eine Überlandlinie ins 32 km nordöstlich von Pjöngjang gelegene Pyongsong befahren.

Der Wagenpark besteht aus Fahrzeugen aller Altersklassen. Einige dürften noch aus der Anfangszeit des Obusbetriebs stammen, wie die runden Bauformen erahnen lassen. Gerade die ältesten Obusse erscheinen bestens gepflegt und haben offenbar eine Art Museumsstatus inne. In den fast 50 Betriebsjahren des Obus wurden scheinbar regelmäßig neue Fahrzeuge produziert, mehrheitlich in den lokalen Chollima-Werken und alle paar Jahre äußerlich verändert.
Es werden sowohl zweiachsige Standardbusse wie auch dreiachsige Gelenkfahrzeuge eingesetzt. Meist setzt sich ihre Lackierung aus weißen und farbigen Flächen zusammen, wobei ein farbenfrohes Gesamtbild entsteht. Unklar ist, ob die Farben eine Bedeutung haben, z.B. bezüglich der Depotzuordnung des Wagens.

Die beiden Längsseiten der Trolleybusse sind mit langen Sternreihen versehen, wobei jeder rote Stern für eine Fahrleistung von 50.000 km steht. So sind bei den offensichtlich ältesten Gelenkwagen (Nr.901 und 903) 51 Sterne zu zählen, somit kann man auf eine Gesamtlaufleistung
jenseits von 2,5 Mio km schließen!
Weitere historische Fahrzeuge sind unter anderem die Zweiachstrolleybusse mit den Betriebsnummern 118, 164 und 801, ebenfalls auffallend durch die Kennzeichnung mit langen Sternreihen.
Teilweise parallel zu den Obuslinien verlaufen die drei Straßenbahnlinien der Stadt, die ein Gesamtnetz von 53 km ausmachen. Die Straßenbahn sind überwiegend aus der Tschechei geliefert, auch einige Gebrauchtfahrzeuge aus Ostdeutschland sind anzutreffen.
Eine Besonderheit ist die 3,5 km lange Straßenbahnlinie zum Kim-II-Sung Mausoleum, sie wird mit 1995 aus Zürich übernommenen Trieb-und Beiwagen bedient.

Diese Nachricht wurde einem Artikel der Zeitschrift "stadtverkehr" (Ausgabe 12/08) entnommen, mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers, mehr über diese tradionelle Fachzeitschrift im weiterführenden Link.

Foto:
oben: Offensichtlich noch nicht lange in Betrieb ist Obus 117, der nur fünf Sterne aufweist und somit bislang nur eine Leistung von 250.000 km erbracht hat.
unten: Alt und Neu im Einsatz: Während der vordere Trolleybus 164 bereits die 2,5 Mio km Laufleistung (50 Sterne) erreicht hat, bringt es das Modell der jüngsten Fahrzeuggeneration (Wg. 411) auf erst gut 100.000 gelaufene Kilometer (zwei Sterne).
Fotoaufnahmen und Autor des o.g. Artikels: Udo Kandler


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