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Die Geschichte des Trolleybus

Der erste Oberleitungsbus

Der erste Oberleitungsbus der Welt wurde von Werner von Siemens gebaut. Er fuhr erstmalig am 29. April 1882 als Elektromote am Kurfürstdamm in Berlin-Halensee. In der Schweiz fuhr am 17. Dezember 1900 in Villeneuve VD im Kanton Waadt der erste Trolleybus, in Österreich am 16. Juli 1907 Gmünd (Niederösterreich). Im Laufe der Jahrzehnte verbreitete er sich auf allen Kontinenten. Der deutsche Begriff Oberleitungsbus wird in Englisch, Französisch und auch Russisch Trolleybus genannt. Die Amerikaner sagen allerdings überwiegend "electric Bus", da dort ein "trolley" eher ein Straßenbahnwagen ist. Mit Trolley wurde das Wägelchen bezeichnet das bei den ersten Fahrzeugen dieser Art an der Oberleitung hinterhergezogen wurde, bevor die Stromabnahme über Stangen erfolgte. In Deutschland besaßen die Arbeiten von Max Schiemann 1866-1933 und Carl Stoll 1846-1907 für die Entwicklung des Oberleitungsbusses Pionierbedeutung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die elektrische Traktion besonders attraktiv wegen der im Vergleich schwachen  Leistungsfähigkeit der Verbrennungsmotors im Omnibus. Der Oberleitungsbus erlebte bis Ende der 1950er Jahre weltweit und besonders in den englischsprachigen Ländern USA, GB und Nordirland eine besondere Akzeptanz. Er ersetzte die Straßenbahn, weil die Schienen dann nicht erneuert werden mussten, Linienerweiterungen wesentlich billiger waren, er schneller und leiser fuhr. Deshalb gewann er an Attraktivität für die Fahrgäste.

Trendwende

Ab Mitte der 1950er Jahre kam die Trendwende. In Deutschland betrieben circa 70 Städte Oberleitungsbusse, die meisten von ihnen bis in die späten 60er Jahre.  Heute sind in Deutschland und Österreich nicht viel mehr als 100 Bussen im täglichen Einsatz. Obwohl der Oberleitungsbus eine bessere Beschleunigung aufweist, abgasfrei und leiser als ein Dieselbus ist, wurde das System vielerorts ohne nennenswerten Protest aufgegeben. In der Schweiz dagegen blieben die Trolleybusse, wie sie dort genannt werden, populär, es gibt sie heute in 15 Städten. Die preiswerte Energiegewinnung aus der Wasserkraft und die unübertroffene Beschleunigung am Berg haben dies im Alpenstaat unterstützt. In den 70er Jahren führte die Preisentwicklung auf dem Energiesektor und das sich verstärkende Umweltbewußtsein zu einer Wiederbelebung der Diskussion um den Oberleitungsbus in verschiedenen europäischen Ländern. Auch die Fortschritte in der Antriebstechnik trugen dazu bei, dass der Oberleitungsbus wieder als Alternative zu anderen Beförderungsmitteln akzeptiert wurde.

Gegenwart

Durch die Aufnahme neuer Staaten in die EU am 1.Mai 2004 hat das System Oberleitungsbus schlagartig eine Vermehrung um circa 4.000 auf nun rund 7.000 Trolleybusse erfahren, wobei es in den folgenden Jahren entscheidend sein wird, das System in vielen Städten der neuen EU-Länder zu erhalten. Die auf Druck der Autobuslobby nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3.10.1990 flächendeckende Einstellung von Oberleitungsbusbetrieben im östlichen Teil des Landes ist hier kein gutes Beispiel. Auf dem amerikanischen Kontinent verkehren gegenwärtig rund 3.000 Trolleybusse. Wegen des hohen Grades der Luftverschmutzung ist besonders in den Großstädten Mittel- und Südamerikas ein umweltfreundliches und damit elektrisch betriebenes Personentransportmittel erforderlich. Der Oberleitungsbus bietet hier auf Grund der größeren Flexibilität gegenüber der Straßenbahn und der geringeren Investitionskosten die optimale Lösung, zumal auch, zumindest was das Fahrzeug betrifft, ein nennenswerter lokaler Produktionsanteil möglich ist. In Asien gibt es etwa 5.000 Oberleitungsbusse, in der Region Australien und sind es rund 60. In Afrika  fuhr der letzte Trolleybus am 28.November 1986 in Johannesburg in Südafrika. Weltweit verkehren derzeit etwa 40.000 Oberleitungsbusse, fast drei Viertel davon im östlichen Teil Europas und in Russland. Letztere sind im allgemeinen dringend erneuerungsbedürftig, wegen fehlender finanzieller Mittel werden sie jedoch weiterhin betrieben.

Rekorde

Das Land mit der größten Anzahl an Oberleitungsbussen ist Russland. Es verkehren dort in 89 Städten über 14.000 Fahrzeuge. Die Stadt mit den meisten Trolleybussen ist Moskau mit über 2.000 Fahrzeugen im täglichen Einsatz. Das älteste durchgehend in Betrieb befindliche Oberleitungsbusnetz der Welt ist das in Shanghai, gleichzeitig eines der größten in der Volksrepublik China. Es wurde am 15. November 1914 eröffnet. In der Schweiz besitzt die Stadt Lausanne das älteste durchgehend in Betrieb befindliche Trolleybusnetz, eröffnet am 2. Oktober 1932, in Österreich die Stadt Salzburg, eröffnet am 1. Oktober 1940. In Deutschland wurde am 3. November 1940 in Eberswalde der älteste durchgehend in Betrieb befindliche Oberleitungsbusbetrieb gegründet. Der Vorgängerbetrieb in der Stadt existierte im Jahre 1901 nur für drei Monate und war nach Berlin1882 - dort verkehrte der Bus zwei Monate - die zweite Stadt, die in Deutschland mit einem Obus ausgerüstet wurde. Die weltweit längste Oberleitungsbuslinie fährt gegenwärtig auf der Halbinsel Krim in der Ukraine. Sie verbindet über eine landschaftlich reizvolle Strecke über Gebirgspässe, mit dem höchsten Punkt von 750 Metern, die 86,5 Kilometer voneinander entfernt liegenden Städte Simferopol und Jalta am Schwarzen Meer. Die Strecke Duisburg ? Moers - Rheinberg war mit einer Entfernung von 29,61 Kilometern die längste Oberleitungsbuslinie in Deutschland. Sie war in voller Länge zwischen 18. Dezember 1954 und 22. Mai 1966  in Betrieb. Auf der Strecke verkehrten Fahrzeuge der damaligen Kreis-Moerser-Verkehrsbetriebe und der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVAG).

Perspektiven

Der Oberleitungsbus hat in seiner Geschichte seine Position eingenommen und kann diese behaupten. Weltweit stellten einzelne Städte den Oberleitungsbusbetrieb zwar in den letzten Jahren ein, in anderen wird er durch eine Stadtbahn ersetzt, doch andererseits erlebt er vielerorts einen Aufschwung, wird das vorhandene System ausgebaut, beziehungsweise werden neue Strecken eingerichtet. Stillgelegte Systeme wurden wieder aufgebaut und ganz neue werden projektiert. Neben den bewährten gegenwärtigen Fahrzeugkonzepten richtet sich der Bedarf der Zukunft zusätzlich auf spurgeführte beziehungsweise automatisch gelenkte Oberleitungsbusse mit einer höheren Kapazität als heute, die mit zwei oder noch mehr Gelenken ausgerüstet sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, mehrere Achsen oder Radpaare anzutreiben und auch zu lenken. Wenn es gelingt die steigenden Erwartungen des Fahrgastes und des Betreibers bei der Weiterentwicklung des Oberleitungsbussystems zu erfüllen, wobei die wichtigsten Aspekte Zuverlässigkeit, Betriebskosten und Wartungsfreundlichkeit bleiben, dann wird der Oberleitungsbus weiterhin dort das ideale elektrische Nahverkehrsmittel bleiben, wo eine Straßenbahn nicht wirtschaftlich oder flexibel genug eingesetzt werden kann oder die topografischen Verhältnisse zu schwierig sind.
    

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